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Recruiting während der Krise: Was jetzt zu beachten ist

 

Noch immer beherrscht die Corona-Krise den Alltag von Gesellschaft und Wirtschaft. Wir blicken zurück auf die Recruiting-Entwicklungen der vergangenen Monate vor dem Hintergrund der Pandemie. Welche Branchen waren besonders von Problemen getroffen? Welche Learnings gibt es? Und was wird im Bereich HR-Gewinnung zukünftig erfolgsentscheidend sein?

 

Wie hat sich das Recruiting entwickelt?

Gab es im zweiten Quartal des letzten Jahres noch rund 1.389.000 offene Stellen zu besetzen, so waren es im vergleichbaren Zeitraum 2020 nur noch 893.000 – ein Rückgang von immerhin fast 36 Prozent. Auch die Zahl der Neueinstellungen sank im April und Mai im Vergleich zum Vorjahreszeitraum rapide ab.

Passend dazu gaben in einer Studie von jobspreader mehr als die Hälfte der Unternehmen an, von der Krise in negativer Weise betroffen zu sein. Zahlreiche Betriebe mussten sogar Mitarbeiter entlassen – besonders kleine und mittlere Unternehmen der Dienstleistungsbranche waren davon stark betroffen. Dabei sind kleinere Betriebe mehr als doppelt so häufig von Entlassungen betroffen wie große Konzerne: Etwa 9 Prozent der befragten Kleinstunternehmen mussten bereits Kündigungen an ihre Mitarbeiter verschicken.

 

Beschränkung der Recruiting-Aktivitäten

Viele Unternehmen beschränkten in der akuten Phase der Pandemie ihre Recruiting-Aktivitäten auf das Nötigste oder verhängten temporäre Einstellungsstopps, die oft bis heute andauern. Auch auf der Bewerberseite herrscht häufig noch Verunsicherung. Viele potenzielle Kandidaten zögern und verharren lieber in Jobs, die vermeintlich Sicherheit bieten. Die Unsicherheit führt dazu, dass Kandidaten sich zwar für Ausschreibungen interessieren, die weiteren Schritte jedoch nicht gehen. Für Recruiting-Verantwortliche bedeutet das viel Aufwand und wenige Erfolgserlebnisse.

 

Erste Lichtblicke

Dagegen sind jedoch auch gut die Hälfte der Betriebe aller Größen weder von Entlassungen noch von Kurzarbeit betroffen. Branchen wie IT, Gesundheitswesen, Medizintechnik, aber auch das Baugewerbe und der Lebensmitteleinzelhandel konnten die Krise bisher gut überstehen. Vor allem in diesen Bereichen hat sich ab Juni die Anzahl der neugeschalteten Stellenanzeigen wieder stark erhöht.

Ein Beispiel: In der IT-Branche waren es im Juni 2020 rund 40.000 neue Stellenausschreibungen – mehr als noch vor der Corona-Pandemie im Januar. Auch die Zahl der Vorstellungsgespräche und der Neueinstellungen ist in diesen Bereichen im Vergleich zu 2019 angestiegen.

 

Key Facts zur Entwicklung der HR-Gewinnung:

 

Einerseits:

  • Rückgang der Stellenanzeigen um 36 Prozent im April und Mai 
  • 58 Prozent der Unternehmen negativ von der Krise betroffen
  • Dienstleistungsbranche besonders betroffen
  • Temporäre Einstellungsstopps und zögernde Bewerber

Andererseits:

  • Jeder zweite Betrieb nicht von Kurzarbeit oder Entlassungen betroffen
  • IT-Branche, Gesundheitswesen, Medizintechnik und Baugewerbe besonders krisenfest
  • Zahl der Neueinstellungen ab Juni wieder stark erhöht

 

Learnings für HR-Recruiter

Jede Krise bietet auch Raum für Chancen. Entscheidend für den Erfolg der Personalgewinnung ist vor allem proaktiv zu handeln, statt passiv zu reagieren. Daher sollten Sie schon jetzt – auch wenn Ihr Unternehmen derzeit keine neuen Mitarbeiter einstellt – potentielle Fach- und Führungskräfte direkt ansprechen und Ihren Talentpool erweitern. So sind Sie für die Zeit nach der Krise gut vorbereitet und können Wettbewerbsvorteile erzielen. Denn wie bisher wird es auch in der Zukunft schwierig sein, Schlüsselpositionen mit den optimalen Bewerbern zu besetzen.

 

4 Schritte für erfolgreiches Recruiting:

 

  • Jetzt Kandidatenpools erweitern

    Stärken Sie jetzt die Kontakte zu potenziell passenden Fachkräften. So haben sie bereits Kontakte in der Rückhand und können flexibel auf anziehenden Personalbedarf oder neue Personalanforderungen reagieren. Über Social Media Recruiting mit den gängigen Plattformen wie Xing oder LinkedIn können HR-Verantwortliche einen Pool an geeigneten Kandidaten aufbauen. Gerade, weil Recruiting bei Schlüsselpositionen häufig ein monatelanger Prozess ist, müssen Bewerber-Pipelines stets gefüllt sein.

    Auch über Talent-Communities können Personalabteilung und Kandidat in Verbindung bleiben – selbst wenn das Unternehmen momentan keine Mitarbeiter einstellt. So kann Leerlauf vermieden und gleichzeitig ein Kandidatennetzwerk für die Zukunft aufgebaut werden. Gerne unterstützen wir Sie in diesem Prozess der Kandidatensuche und -ansprache. Weitere Informationen zu unserem Recruiting-Angebot finden Sie hier.

 

  • Digitalisierung weiter ausbauen

    Unternehmen, die schon vor der Krise in die Digitalisierung des HR-Bereichs investiert haben, sind in der aktuellen Lage klar im Vorteil. Auch in Zukunft wird die Automatisierung der Prozesse an Relevanz gewinnen. Das kann zum Beispiel das Recruiting durch digitale Vorstellungsgespräche sein, aber auch die Implementierung spezieller Software-Lösungen für die Personalgewinnung. So können durch Zeit- und Kostenersparnisse Wettbewerbsvorteile erzielt werden. Die Digitalisierung bietet ein hohes Potential für einen optimierten Bewerbungsprozess.

    Den zwischenmenschlichen Kontakt im Bewerbungsgespräch werden Videokonferenzen allerdings nicht vollständig ersetzen können. Laut einer aktuellen randstad Studie wollen 53 Prozent der Unternehmen wieder zurück zu analogen Vorstellungsgesprächen.

    Organisation und Abstimmung der Recruiting-Aktivitäten sollen nach Meinung der Befragten jedoch zunehmend digitaler werden. Für die Zukunft prognostizieren daher neun von zehn Personaler einen effektiven IT-Einsatz für Personalmarketing und Recruiting.

 

  • Employer Branding stärken

    Auch wenn es auf den ersten Blick nicht so scheint – in Zeiten der Krise ist es wichtig, die Attraktivität der eigenen Employer Brand zu stärken. Nur so können Betriebe sicherstellen, dass sie von aussichtsreichen Kandidaten wahrgenommen werden und ein positives Bild bei ihnen hinterlassen.

    Besonders in schwierigen Phasen müssen Unternehmen zeigen, dass Wohlbefinden und Gesundheit der Mitarbeiter für sie wichtig sind. So wirken die Maßnahmen, die Sicherheit, Vertrauen und Empathie für Mitarbeiter erzeugen, auch anziehend auf Bewerber. Als starke Arbeitgebermarke am Markt aufzutreten, nimmt potenziellen Kandidaten Unsicherheit.

    Ein Beispiel für Maßnahmen kann die Darstellung in den unternehmenseigenen Social Media-Kanälen sein. Ein authentischer Einblick in das Unternehmen, aber auch die Kommunikation von Weiterbildungsangeboten oder Benefits wie Homeoffice stärken die positive Wahrnehmung Ihres Unternehmens. Ein starkes Image vereinfacht das Begeistern und Binden neuer Talente.

 

  • Führungskultur entwickeln

    Durch die veränderten Arbeitsbedingungen in der Pandemie standen auch Führungskräfte vor neuen Herausforderungen. Die vorherrschende Anwesenheitskultur, die eher von Kontrolle geprägt ist, ist nicht mehr zielführend. Auch wenn viele Unternehmen in Zukunft auf eine Kombination von mobilem und vor Ort-Arbeiten setzen, ist es entscheidend, die Führungskultur in Richtung Vertrauenskultur zu entwickeln. Entwicklungsgespräche und Workshops können Führungskräften dabei helfen, Vertrauen und Beziehung aufzubauen, Missverständnisse durch unklare Kommunikation zu vermeiden und ergebnisorientiertes Arbeiten zu fördern.

    Gerne helfen wir Ihnen durch individuell konzipierte Workshops bei der Entwicklung einer produktiven Führungskultur. Weitere Informationen finden Sie hier.

 

Ausblick

Bereits jetzt gibt es einen Trend zu erkennen. Auch wenn viele Betriebe noch stark mit den Folgen der Pandemie zu kämpfen haben, kehren immer mehr Unternehmen zur Normalisierung ihrer Recruiting-Aktivitäten zurück.

So gaben in einer Umfrage der Online Plattform StepStone Ende August 73 Prozent der befragten Personaler an, in naher Zukunft wieder neue Mitarbeiter einzustellen zu wollen. Vor allem in den Bereichen IT, Vertrieb und Administration ist dieser Trend bereits jetzt spürbar. Dabei rechnet die Mehrheit der Recruiter damit, dass auch im kommenden Jahr eine hohe bzw. sehr hohe Nachfrage an Fachkräften herrschen wird.

Trotz Kurzarbeit und Kündigungen wird der Fachkräftemangel weiterhin ein großes Thema bleiben. Der War for Talents wird auch nach der Krise unvermindert weitergehen.

 

HR-Verantwortliche können sich bereits jetzt vorbereiten, indem sie:

  • Jetzt Kandidatenpools erweitern
  • Ihre Kandidatenpools aktiv erweitern,
  • Ihre Arbeitgebermarke durch gezieltes Employer Branding stärken,
  • die Digitalisierung im HR-Prozess vorantreiben, sowie
  • die vorherrschende Führungskultur bewerten und für die zukünftig eingesetzten Arbeitsweisen weiterentwickeln.

 

Als Personalberatung sind wir auf digitale Hiring-Prozesse spezialisiert. Sprechen Sie uns daher gerne an, falls Sie bereits jetzt die Weichen für ein erfolgreiches Recruiting von Fach- und Führungskräften nach der Krise stellen wollen.

Kontaktieren Sie gerne unsere Berater für ein erstes Gespräch!

 


Quellen: