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Führen auf Distanz: Erfolgsfaktor Empathie

 

Viele Teams mussten in den vergangenen Monaten ins Homeoffice gehen. Doch die räumliche Distanz kann auch zum Verlust vieler wichtiger Grundlagen des Zusammenarbeitens führen: Soziale Interaktion, informeller Kontakt mit Kollegen oder Gespräche mit dem Chef. Um das zu verhindern, braucht es Empathie der Führungskräfte.

 

Neben den wirtschaftlichen Herausforderungen, geht es für Führungskräfte in der aktuellen Zeit vor allem darum, die Stimmung im Team zu retten. Dazu gehört, die Motivation der Mitarbeiter aufrechtzuerhalten. Verhindern, dass das Zusammengehörigkeitsgefühl der Mitarbeiter schwindet, ist jedoch mindestens genauso wichtig. Gerade in Krisenzeiten benötigen Mitarbeiter den Austausch und das Gefühl, nicht allein gelassen zu werden.

Empathie in der Führung kann helfen, diese Herausforderungen zu bewältigen. Eine Umfrage der Technischen Hochschule Mittelhessen bestätigt: Führungskräfte, die Empathie mitbringen, sind erfolgreicher als der Durchschnitt. Empathie hilft dabei, zu lesen, was Mitarbeiter, Kunden oder Geschäftspartner wirklich wollen. Dadurch kann das Verhalten anderer besser vorhergesagt und das eigene Vorgehen optimal abgestimmt werden. Empathie ist gleichzeitig auch die Grundlage für Vertrauen innerhalb der Organisation. Ohne vertrauliche Beziehung zu Mitarbeitern und Kunden entsteht kein langfristiger Erfolg.

Meistens geht Empathie einher mit einem wertschätzenden Führungsstil. Dieser steigert wiederum die Zufriedenheit der Mitarbeiter Sie lassen sich leichter für die Organisation begeistern, bleiben eher im Unternehmen und sind motivierter - auch in Krisen. Mitarbeiter, die ihren Vorgesetzten schon vorher Vertrauen entgegengebracht haben, folgen ihnen auch in herausfordernden Zeiten.

Arten der Empathie

Dabei ist Empathie nicht gleich Empathie. Grundsätzlich unterscheidet die Leadership-Forschung zwischen drei Arten: emotionale, soziale und kognitive Empathie. Emotional empathische Personen lassen sich leicht von Gefühlen anderer anstecken. Ist man sozial empathisch, werden die Gefühle anderer nicht nur mitgefühlt, sondern auch nachvollzogen. Dadurch kann die Gefühlswelt anderer Personen bewusst erfasst werden. Für Führungskräfte ist vor allem kognitive Empathie relevant. Sie ermöglicht es, sich in andere Personen hineinzuversetzen, ohne sich von ihren Emotionen anstecken zu lassen.

Im Kontext guter Führungsqualitäten erlaubt kognitive Empathie, Mitarbeiter zu unterstützen und sich gleichzeitig nicht ihre Sorgen zu eigen zu machen. So kann die Führungskraft ein konstruktives Mitgefühl entwickeln und Lösungen anbieten. Mitarbeiter verstehen, ihre Sorgen ernst nehmen und ihnen konstruktive Lösungsansätze unterbreiten – das sind die Herausforderungen für Führungskräfte.

Empathie im Homeoffice

In der virtuellen Welt ist Empathie umso wichtiger. Viele unterschiedliche Faktoren spielen hierbei eine Rolle. Eine erfolgreiche Führungskraft achtet daher besonders auf Folgendes, damit empathische Führung auch im Homeoffice gelingt:

 

    • Bedürfnisse erkennen und beachten

      Im Fokus der Führungskraft sollten die Bedürfnisse der Mitarbeiter stehen – auch in virtueller Atmosphäre. Was bereitet Ihnen Probleme? Wer braucht klare Anweisungen? Wer legt viel Wert auf zwischenmenschlichen Kontakt? Diesen Fragen gilt es auf die Spur zu kommen. Hilfreich können dabei regelmäßige (virtuelle) Meetings oder auch der persönliche Austausch am Telefon sein.

       

    • Klar und transparent kommunizieren

      Mitarbeiter, die aus großer Distanz arbeiten, können die Vorgänge innerhalb des Unternehmens nur schwer einschätzen. Unklare Ansagen des Vorgesetzten sind daher ein absolutes No-Go. Die Kommunikation der Führungskräfte sollte transparent, klar und übersichtlich sein. So kann den Mitarbeitern ein Bild dessen vermittelt werden, was sich gerade in der Firma abspielt.

       

    • Feedback geben und motivieren

      Wenn der Alltag im Unternehmen weit weg zu sein scheint, leidet häufig die Motivation. Damit sie auch im Homeoffice nicht verloren geht, braucht es Erfolge. Dafür sollte die Führungskraft übersichtliche Aufgaben delegieren. Mitarbeitern wird es dadurch leichter gemacht, Erwartungen zu erfüllen. Wichtig ist, genügend Feedback zu geben. Nur so weiß der Mitarbeiter, was von ihm verlangt wird.

       

    • Konstruktive Lösungen anbieten

      Kognitive Empathie – das bedeutet, die Sorgen und Wünsche der Mitarbeiter wahrzunehmen. Der Fokus liegt hier auf lösungsorientierten Ansätzen: Wie kann ich dem Mitarbeiter beispielsweise helfen, trotz seiner privaten Schwierigkeiten das Arbeitspensum zu bewältigen? Welche Schritte müssen dafür eingeleitet werden?

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    • Professionelle Distanz halten

      Sich in andere Personen hineinversetzen, ohne sich deren Sorgen zu eigen machen – für empathische Führungskräfte essenziell. Distanz ist wichtig - aber ohne die Gefühle der Mitarbeiter aus den Augen zu verlieren. Die Mischung zwischen Empathie und Professionalität macht den Erfolg. 

 

 

Empathie will gelernt sein

Doch was, wenn in der Führung noch Kommandos und Kontrolle vorherrschen? Empathie kann in diesen Fällen auch erlernt werden. Normalerweise gelingt das durch spezielle Trainings oder Workshops. In der aktuellen Situation müssen Führungskräfte jedoch häufig allein damit zurechtkommen. Erschwerend kommt dazu, dass der Empathiebedarf während der Krise stark gestiegen ist.

Was können Führungskräfte also tun, um ihre empathischen Fähigkeiten zu verbessern? Ein wichtiger Aspekt ist auf Signale der Mitarbeiter zu achten. Es sind vor allem die kleinen Zwischentöne, die der Vorgesetzte im Dialog mit seinen Mitarbeitern erkennen sollte: Wie kommuniziert mein Mitarbeiter? Wirkt er gestresst oder entspannt? Welche Signale versucht er mir zu senden? Die unterschiedlichen Lebenssituationen sollten dabei stets im Blick behalten werden.

Aus diesen Beobachtungen lassen sich Handlungsempfehlungen ableiten. Regelmäßige Gespräche, Feedback und Mutmachen gehören zu den Aufgaben der Führungskraft. So kann jeder Mitarbeiter individuell unterstützt werden.

Bei der Umsetzung helfen kleine Notizen. Nach jedem Gespräch sollte sich die Führungskraft fragen: Wie kommen meine Worte an? Welche Reaktionen meiner Mitarbeiter haben mich überrascht? Welche Missverständnisse kamen auf?

Fazit

In Zeiten von virtuellem Arbeiten ist Empathie wichtiger denn je. Verschiedene Aspekte müssen jedoch beachtet werden, damit empathische Führung gelingen kann. Insbesondere die Bedürfnisse der Mitarbeiter sollten erkannt und Lösungsansätze unterbreitet werden. Klare und transparente Kommunikation ist ebenso essenziell. Auf diese Weise kann ein empathischer Führungsstil auch im Homeoffice optimal gelingen.

Weitere Informationen zur Führungskräfteentwicklung finden Sie hier.


Quellen:

  • Anja Dilk, Führen in der Krise - Crashkurs in Empathie, managerSeminare, Heft 270, September 2020.